Rentenanpassung 2021

Rentenanpassung 2021

Trotz Nullrunde im Westen: Corona-Krise und Neuabgrenzung beitragspflichtiger Entgelte lassen amtliches Rentenniveau deutlich steigen

April 2021 | Zum 1. Juli 2021 steht für die Renten der rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner eine formelbedingte Nullrunde an. Ohne die allgemeine Schutzklausel (»Rentengarantie«) würden die Bruttorenten sinken. Die Faktoren der Anpassungsformel tragen in unterschiedlicher Weise zu diesem Ergebnis bei. Alleine aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Angleichungsschritte wird der aktuelle Rentenwert (Ost) um 0,72 Prozent angehoben. Schließlich ist bei den Anpassungen der Jahre 2019 bis 2025 sicherzustellen, dass das Sicherungsniveau vor Steuern (SvS) den Wert von 48 Prozent nicht unterschreitet (Niveau-Haltelinie). Im Ergebnis beträgt der aktuelle Rentenwert ab Juli 2021 unverändert 34,19 Euro; der aktuelle Rentenwert (Ost) wird von 33,23 Euro auf 33,47 Euro erhöht.

Die Höhe der jährlichen Rentenanpassung wird von insgesamt drei Faktoren bestimmt:

  • der Entwicklung der beitragspflichtigen Entgelte,
  • der Belastungsveränderung bei den Altersvorsorgeaufwendungen der Aktiven (Beitragssatz zur Rentenversicherung sowie privater Altersvorsorgeanteil) und
  • dem sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor.

Maßgebend ist die Veränderung der diese Faktoren bestimmenden Werte im Vorjahr zum vorvergangenen Jahr – für die Anpassung 2021 wird also Bezug genommen auf die Veränderungen in 2020 gegenüber 2019. Angepasst werden der aktueller Rentenwert (AR) bzw. der aktuelle Rentenwert (Ost) (AR(O)); der aktuelle Rentenwert entspricht dem Monatsbetrag der Rente für ein Jahr Beitragszahlung auf Basis des Durchschnittsentgelts und einem Zugangsfaktor von 1,000 – also ohne Rentenabschläge oder Rentenzuschläge.

aktueller Rentenwert

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Die Anpassung erfolgt getrennt für die alten und die neuen Länder; die Entgeltentwicklung des Vorjahres basiert auf dem vorläufigen Datenstand zu Beginn des Anpassungsjahres. Die regionale Entgeltwicklung in den neuen Ländern ist seit der Anpassung 2018 nur noch für die sogenannte Vergleichsrechnung maßgebend: Führt die ostdeutsche Lohnentwicklung seit 2018 zu einem höheren Wert als er durch die Angleichungstreppe des  § 255a Abs. 1 SGB VI vorgegeben ist, so gilt der auf Basis der Lohnentwicklung Ost ermittelte Vergleichswert als neuer AR(O). – Bei den Veränderungsraten des durchschnittlichen Beitragssatzes sowie den Belastungsveränderungen bei den Altersvorsorgeaufwendungen der Aktiven und des Rentnerquotienten im Rahmen des Nachhaltigkeitsfaktors handelt es sich um bundeseinheitliche Werte.

Entgeltfaktor

In die Bestimmung des Entgeltfaktors fließen seit dem  Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetz zwei Entwicklungen ein. Seither wird der Entgeltfaktor nicht mehr (nur) auf Basis der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer entsprechend den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) bestimmt; die Anpassung der Renten richtet sich daneben auch – und auf mittlere Sicht ausschließlich – nach der Entwicklung der beitragspflichtigen Entgelte der Versicherten.


Rentenanpassungsformel

AR(t) = zu bestimmender aktueller Rentenwert ab dem 1. Juli
AR(t-1) = bisheriger aktueller Rentenwert
ÄB = Äquivalenzbeitragszahler
ÄR = Äquivalenzrentner
BE(t-1) = Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer im vergangenen Kalenderjahr
BE(t-2) = Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer im vorvergangenen Kalenderjahr
BE(t-3) = Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer im dritten der dem Anpassungsjahr vorausgehenden Kalenderjahr
bBE(t-2) = beitragspflichtige Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer ohne Beamte einschließlich der Bezieher von Arbeitslosengeld im vorvergangenen Kalenderjahr
bBE(t-3) = beitragspflichtige Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer ohne Beamte einschließlich der Bezieher von Arbeitslosengeld im dritten der dem Anpassungsjahr vorausgehenden Kalenderjahr
AVA2012 = 4,0 Prozent Altersvorsorgeanteil seit 2012
RVB(t-1) = durchschnittlicher Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung im vergangenen Kalenderjahr
RVB(t-2) = durchschnittlicher Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung im vorvergangenen Kalenderjahr
RQ(t-1) = Rentnerquotient im vergangenen Kalenderjahr
RQ(t-2) = Rentnerquotient im vorvergangenen Kalenderjahr
α = 0,25
VGRt | DRVt = Datenstand zum Zeitpunkt der Neuberechnung
VGRt-1 | DRVt-1 = Daten aus der Rentenwertbestimmungsverordnung des Vorjahres
In der Formel des § 68 Abs. 5 SGB VI werden mit dem Faktor BE unterschiedliche Größen bezeichnet, je nachdem, auf welches Jahr der Faktor bezogen wird; in der hier ausgewiesenen Formel sind die Faktoren eindeutig definiert.

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Hintergrund für die seinerzeitige Änderung des Verfahrens ist der Umstand, dass die VGR-Werte unter anderem nicht beitragspflichtige Entgeltteile oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze oder auch solche Entgeltbestandteile enthalten, die beitragsfrei in eine Anwartschaft auf betriebliche Altersversorgung umgewandelt werden. Diese beitragsfreien Entgelte bzw. Entgeltbestandteile tragen nicht zur Finanzierung der Renten bei und sollen daher auch auf deren Anpassung keinen Einfluss haben. Andererseits sinken bei umfangreicher Kurzarbeit – wie etwa während der Corona-Pandemie – die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer nach den VGR; die Entwicklung der beitragspflichtigen Entgelte wird demgegenüber nur zu rund einem Fünftel des Kurzarbeitsvolumens negativ beeinflusst, da bei Kurzarbeit 80 Prozent der Differenz zwischen Soll- und Ist-Entgelt als beitragspflichtiges Entgelt zählen.

Weil die Löhne und Lohnbestandteile, die in der Rentenversicherung verbeitragt werden, nicht zeitnah vorliegen und erst mit einem »time-lag« von gut zwei Jahren bei der Rentenanpassung berücksichtigt werden können, greift die Anpassungsformel hinsichtlich der Lohn- und Gehaltsentwicklung des jeweiligen Vorjahres weiterhin alleine auf die VGR-Entgelte zurück. Nur so können die Renten zeitnah an der Lohnentwicklung teilhaben.

Der Entgeltfaktor der Anpassungsformel berücksichtigt demnach zwei Entwicklungen:

  • kurzfristig die Veränderung der VGR-Entgelte im jeweiligen Vorjahr und
  • mittelfristig die relative Abweichung zwischen der Lohnentwicklung nach den VGR-Daten und der beitragspflichtigen Lohnentwicklung für das vorvergangene Jahr.

Sofern die Entwicklung der VGR-Löhne von der Entwicklung der beitragspflichtigen Löhne abweicht, wird dies bei der jeweils nächsten Anpassung über die Formel zur Berechnung des Entgeltfaktors automatisch korrigiert. Die  Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer (gemäß VGR und nach Datenstand Anfang 2021) sind im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 2019 um -0,28 Prozent (alte Länder) gesunken bzw. um 1,31 Prozent (neue Länder) gestiegen.

Zur Bestimmung des Entgeltfaktors der Anpassungsformel wird das VGR-Durchschnittsentgelt des jeweils vorvergangenen Jahres (2019) mit folgendem Faktor gewichtet:

Entgeltfaktor

BEVGR = Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer lt. VGR,
bBEDRV = beitragspflichtige Bruttolohn- und -gehaltssumme je durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmer lt. Versichertenstatistik der DRV Bund

DRVt meint den Datenstand zum Zeitpunkt der Neuberechnung
VGRt-1 bzw DRVt-1 meint die Daten aus der Rentenwertbestimmungsverordnung des Vorjahres

Auf diese Weise findet die relative Abweichung zwischen der Lohnentwicklung gemäß VGR und der beitragspflichtigen Lohnentwicklung für das vorvergangene Jahr Eingang in die Bestimmung des Entgeltfaktors. Wenn der Wichtefaktor größer (kleiner) als Eins ist, die beitragspflichtigen Entgelte also schwächer (stärker) gestiegen sind als die VGR-Entgelte, dann werden die VGR-Bruttoentgelte des vorvergangenen Jahres rechnerisch erhöht (gesenkt) und der Entgeltfaktor der Anpassungsformel damit gesenkt (erhöht).

Im Jahr 2019 sind die  beitragspflichtigen Entgelte im Westen mit einem Zuwachs von 0,81 Prozent schwächer gestiegen als die VGR-Entgelte (2,95 Prozent); auch im Osten stiegen die beitragspflichtigen Entgelte mit 2,15 Prozent geringer als die VGR-Entgelte (3,63 Prozent). Damit beträgt der Wichtefaktor für das VGR-Entgelt des vorvergangenen Jahres im Westen 1,0212 und im Osten 1,0145. In beiden Regionen wirkt der Wichtefaktor demnach anpassungsmindernd.


Werte der Rentenanpassung 2021

Werte Alte Länder Neue Länder
ARt-1 bzw. AR(O)t-1 (2020) 34,19 € 31,89 €
Bruttolöhne und -gehälter 2018* (BEt-3) 36.846 € 29.757 €
Bruttolöhne und -gehälter 2019** (BEt-2) 37.883 € 30.378 €
Bruttolöhne und -gehälter 2020** (BEt-1) 37.778 € 31.482 €
beitragspflichtige Bruttolöhne und -gehälter 2018 (bBEt-3) 33.421 € 27.492 €
beitragspflichtige Bruttolöhne und -gehälter 2019 (bBEt-2)*** 33.693 € 28.478 €
Altersvorsorgeanteil 2012 (AVA2012) 4,0%
durchschnittlicher RV-Beitrag 2019 (RVBt-2) 18,6%
durchschnittlicher RV-Beitrag 2020 (RVBt-1) 18,6%
Rentnerquotient 2019 (RQt-2) 0,5152
Rentnerquotient 2020 (RQt-1) 0,5342
ARt bzw. AR(O)t gem. § 255a Abs. 1 SGB VI (Angleichung Ost 97,9 v.H.) (2021) 34,19 € 33,47 € ****
AR(O)t gem. § 255a Abs. 2 SGB VI (Vergleichswert) (2021) - 32,78 € ****
* Datenstand der Vorjahresverordnung ** Datenstand März 2021 *** Nach Neuabgrenzung der beitragspflichtigen Entgelte in der Versichertenstatistik der DRV Bund  **** Ist der Wert nach § 255a Abs. 2 SGB VI höher, so gilt dieser als AR(O)t

Statistischer Sondereffekt bei den beitragspflichtigen Entgelten. – Vor dem Hintergrund der Debatten im Vorfeld des Flexirentengesetzes (2017), die einen Mangel an Daten zur Beschäftigung von beitragspflichtigen Personen mit Vollrentenbezug jenseits der Regelaltersgrenze offenbarten, hat die DRV Bund die Abgrenzung der beitragspflichtigen Entgelte in ihrer Versichertenstatistik zwischenzeitlich angepasst. Erfasst werden nun erstmals beitragspflichtig, aber versicherungsfrei Beschäftigte mit einem Altersvollrentenbezug ab der Regelaltersgrenze. Es handelt sich dabei um gut eine Million Personen jenseits der Regelaltersgrenze – darunter ca. 880.000 Mini-Jobber, also deutlich mehr Beschäftigte mit sehr geringem Entgelt. Im Ergebnis fällt der Zuwachs der durchschnittlichen beitragspflichtigen Entgelte 2019 wegen der Daten-Revision in den alten wie in den neuen Ländern um gut zwei Prozentpunkte geringer aus.

Nach geltendem Recht muss bei der Rentenanpassung 2021 für den Wichtefaktor der revidierte Wert der beitragspflichtigen Entgelte für das Jahr 2019 (t-2) verwendet werden, während für 2018 (t-3) der nicht revidierte Wert aus der Rentenwertbestimmungsverordnung 2020 heranzuziehen ist (vgl. Formel). Dieser verzerrende rechnerische Effekt ist für die Höhe der Rentenanpassung 2021 folgenlos, da am Ende ohnehin eine formelbedingte Nullrunde ansteht und auch die Verrechnung mit (später) positiven Anpassungen bis 2025 ausgesetzt ist (deaktivierter Nachholfaktor). Der Effekt wirkt sich aber auf das Rentenniveau aus (vgl. weiter unten) und weist dieses nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums künftig (dauerhaft) um rund einen Prozentpunkt höher aus als ohne den Revisions-Effekt. Und der Effekt mindert auch die Höhe des Vergleichswerts 2021 ( § 255a Abs. 2 SGB VI) im Rahmen der Anpassung des AR(O).

Im Ergebnis beträgt der Entgeltfaktor der diesjährigen Anpassung in den alten Bundesländern

Entgeltfaktor

BEVGR = Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer lt. VGR,
bBEDRV = beitragspflichtige Bruttolohn- und -gehaltssumme je durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmer lt. Versichertenstatistik der DRV Bund
VGRt bzw. DRVt meint den Datenstand zum Zeitpunkt der Neuberechnung
VGRt-1 bzw DRVt-1 meint die Daten aus der Rentenwertbestimmungsverordnung des Vorjahres

In den neuen Bundesländern führen die Ausgangsdaten zu einem Entgeltfaktor in Höhe von

Entgeltfaktor (Ost)

Erforderlich ist die Bestimmung des Entgeltfaktors (Ost) ausschließlich für die Ermittlung des Vergleichswerts nach  § 255a Abs. 2 SGB VI.

Infolge der Gewichtung wird das VGR-Entgelt des Jahres 2019 in West und Ost rechnerisch erhöht – und der Anstieg in 2020 damit gemindert. Im Westen betrug das durchschnittliche VGR-Entgelt 2019 37.883 Euro – der gewichtete Betrag fällt mit 38.685 Euro merklich höher aus. Ebenso im Osten; dort belief sich der VGR-Wert auf 31.532 Euro – der gewichtete Betrag liegt mit 31.990 Euro ebenfalls höher. Damit fällt der Anstieg der anpassungsrelevanten Entgelte in beiden Regionen schwächer aus als der Anstieg der VGR-Entgelte. – Im Ergebnis trägt der Entgeltfaktor mit -2,34 Prozentpunkten (West) bzw. -0,14 Prozentpunkten (Ost – nur im Rahmen der Vergleichsrechnung) zur diesjährigen »Rentenanpassung« bei.


Entgeltfaktoren der Anpassung 2021 unter Ausschaltung des Revisionseffekts bei den beitragspflichtigen Entgelten

Der Revisionseffekt lässt sich rechnerisch über zwei unterschiedliche Wege ausschalten; die Ergebnisse sind allerdings nicht identisch:

Erste Variante (revidierte Werte): Der revidierte Wert für 2019 wird durch den ebenfalls revidierten Wert für 2018 geteilt. Der revidierte Wert für die beitragspflichtigen Entgelte 2018 beträgt nach Auskunft des BMAS im Westen 32.723 Euro und im Osten 27.944 Euro.

Entgeltfaktoren ohne Revisionseffekt

Zweite Variante (unrevidierte Werte): Der unrevidierte Wert für 2019 wird durch den ebenfalls unrevidierten Wert für 2018 aus der Vorjahresverordnung geteilt. Der unrevidierte Wert für die beitragspflichtigen Entgelte 2019 beträgt nach Auskunft der DRV Bund im Westen 34.421 Euro und im Osten 29.691 Euro.

Entgeltfaktoren ohne Revisionseffekt

»Riester-Faktor«

Der in der Anpassungsformel zu berücksichtigende Altersvorsorgeanteil (AVA) beträgt 4,0 Prozent. Für die Anpassungsjahre vor 2013 war er mit den in der  nachfolgenden Tabelle ausgewiesenen Werten vorgegeben (»Riester-Treppe«). Erstmals zu Buche schlug die Veränderung des AVA bei der Rentenanpassung zum 1. Juli 2003.

Wegen der im Jahre 2004 gesetzlich verordneten Nullrunde wurde auch der AVA für 2003 nicht erhöht; nur so ließ sich erreichen, dass die anpassungsmindernde Wirkung der »Riester-Treppe« im Ergebnis voll ausgeschöpft werden konnte. Eine nochmalige Streckung der »Riester-Treppe« auf Grund der gesetzlichen Nullrunde 2006 erübrigte sich, weil im Zuge der Gesetzgebung zur Rente mit 67 das Nachholen von als Folge der allgemeinen Schutzklausel (Ausschluss einer Senkung der Rentenwerte) nicht realisierter Anpassungsdämpfungen ab dem Jahr 2011 beschlossen wurde (sogenannter »Ausgleichsbedarf«). Mit dem Gesetz zur Rentenanpassung 2008 wurde die »Riester-Treppe« ein weiteres Mal gestreckt – 2007 und 2008 änderte sich der AVA demnach nicht. Damit sollte in den Jahren 2008 und 2009 (Finanzkrise) ein höherer Anpassungssatz ermöglicht werden.

Die anpassungsmindernde Berücksichtigung des AVA wurde bei seiner Einführung damit begründet, dass seit 2002 allen Arbeitnehmern die staatlich geförderte private Altersvorsorge offensteht; die hierfür erforderlichen Prämien reduzieren – vergleichbar einem steigenden Beitragssatz zur Rentenversicherung – deren verfügbare Einkommen. Diese steigende Belastung der Aktiven müsse, so die seinerzeitige Begründung des Gesetzgebers, an die Rentner in Form geringerer Rentensteigerungen weitergegeben werden. Dabei ist es für die Berücksichtigung des AVA unerheblich, ob tatsächlich alle Berechtigten private Vorsorge im unterstellten Umfang betreiben. Selbst wenn sich kein einziger Arbeitnehmer auf die staatlich geförderte Privatvorsorge eingelassen hätte, wäre bei der Rentenanpassung unterstellt worden, dass alle Arbeitnehmer eine zusätzliche und bis 2012 prozentual steigende Abgabenlast tragen. Anpassungsmindernd berücksichtigt wurde zudem der Bruttoanteil ohne Abzug der staatlichen Fördermittel, obwohl die auch von den Rentnern über deren direkte und indirekte Steuern mit finanziert werden.

Der jahresdurchschnittliche Beitragssatz zur allgemeinen Rentenversicherung (RVB), die zweite Größe des »Riester-Faktors«, hat sich 2020 gegenüber 2019 nicht verändert (18,6 Prozent). Für die Anpassung 2021 ergibt sich somit ein »Riester-Faktor« von

Für die Anpassung 2021 ist der Faktor demnach neutral.

Auch wenn der Altersvorsorgeanteil seit 2012 unverändert bei 4,0 Prozent liegt und anpassungsmindernde Veränderungen nach derzeit geltendem Recht nicht mehr Platz greifen, hat seine weitere Berücksichtigung im »Riester-Faktor« dennoch anpassungsrelevante Wirkungen: Jede Veränderung des Beitragssatzes zur allgemeinen Rentenversicherung schlägt dadurch rechnerisch etwas stärker zu Buche – positiv wie negativ.

Nachhaltigkeitsfaktor

Der Wert des Nachhaltigkeitsfaktors wird bestimmt durch die Entwicklung des Rentnerquotienten, dessen Veränderung durch den mit einem Wert von 0,25 vorgegebenen Parameter »Alpha« zu einem Viertel anpassungsrelevant wird.

Der Rentnerquotient (vgl. Übersicht) drückt das rechnerische Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern aus. Gegenüber dem Jahr 2019 ist der Rentnerquotient 2020 gestiegen – von 0,5152 auf 0,5342; der Wert 1 - (RQt-1 / RQt-2) fällt damit negativ aus (-0,0369). Während die Zahl der  Äquivalenzrentner 2020 um 0,83 Prozent stieg, nahm die Zahl der  Äquivalenzbeitragszahler um 2,75 Prozent ab.


Rentnerquotient

Kern des mit dem RV-Nachhaltigkeitsgesetz in die Anpassungsformel eingeführten Nachhaltigkeitsfaktors ist die Veränderung des Rentnerquotienten. Er drückt das rechnerische Verhältnis von Rentenempfängern zu Beitragszahlern aus; eine Erhöhung des Rentnerquotienten – von der für die Zukunft auszugehen ist – führt zu einem Nachhaltigkeitsfaktor von kleiner als Eins und dämpft dadurch die Rentenanpassungen. Um rechnerische Verzerrungen zu vermeiden, wird bei der Bildung des Quotienten auf so genannte Äquivalenzrentner (Zahl der rechnerischen Standardrenten) und Äquivalenzbeitragszahler (auf Durchschnittsverdiener normierte Anzahl der Beitragszahler) zurückgegriffen. Beide Werte wurden bis zur Anpassung 2019 zunächst für die alten und neuen Länder getrennt berechnet und anschließend addiert.

Infolge des Rentenüberleitungs-Abschlussgesetzes erfolgt die Berechnung der Anzahl der Äquivalenzrentner für die Rentenanpassungen 2020 bis 2025 weiterhin getrennt nach West und Ost, weil es für die Kalenderjahre bis 2024 noch keinen bundeseinheitlichen aktuellen Rentenwert gibt. Die Ermittlung der Anzahl der Äquivalenzbeitragszahler basiert hingegen seit der Anpassung 2020 auf gesamtdeutschen Werten. Durch das Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz wurden die Werte der Anlage 10 zum SGB VI für die Berechnung des Durchschnittsentgelts (Ost) für die Jahre 2019 bis 2024 unabhängig von der Lohnentwicklung festgesetzt. Die Verwendung dieser Werte bei der Berechnung des Durchschnittsentgelts (Ost) zur Bestimmung der Äquivalenzbeitragszahler (Ost) würde zu Verwerfungen führen. Daher wurde für die Bestimmung des aktuellen Rentenwerts zum 1. Juli 2020 auch für das Jahr 2018 die Anzahl der gesamtdeutschen Äquivalenzbeitragszahler – entgegen dem sonst üblichen Verfahren unter Rückgriff auf das endgültige Durchschnittsentgelt 2018 – neu bestimmt (und nicht aus der Vorjahresverordnung übernommen).

  Alte
Länder
Neue
Länder
Gesamt
Ermittlung der Äquivalenzrentner (ÄR)
Renten-Volumen 20191 217.994.184 58.970.280  
Renten-Volumen 20201 227.441.137 61.538.674  
Standard-Rente 20192 17.571,60 16.896,60  
Standard-Rente 20202 18.154,80 17.582,40  
ÄR 20193 12.406 3.490 15.896
ÄR 20203 12.528 3.500 16.028
Ermittlung der Äquivalenzbeitragszahler (ÄB)
Beitrags-Volumen 20194     223.241.066
Beitrags-Volumen 20204     226.298.119
Beiträge auf BE 20195     7.235,59
Beiträge auf BE 20205     7.542,49
ÄB 20196     30.853
ÄB 20206     30.003
Rentnerquotient7
2019     0,5152
2020     0,5342

1 Abzüglich erstatteter Aufwendungen für Renten und Rententeile in Tsd. Euro.
2 Bruttorente im Kalenderjahr bei 45 persönlichen Entgeltpunkten in Euro.
3 Rentenvolumen dividiert durch Standardrente in Tsd..
4 Beitragsvolumen der versicherungspflichtig Beschäftigten, der geringfügig Beschäftigten und der Bezieher von Arbeitslosengeld in Tsd. Euro.
5 in Euro; der ausgewiesene Betrag ergibt sich durch Anwendung des durchschnittlichen kalenderjährlichen Beitragssatzes auf das vorläufige Durchschnittsentgelt der Anlage 1 zum SGB VI. Dieses beträgt 2019 38.901 Euro und 2020 40.551 Euro.
6 Beitragsvolumen dividiert durch Beiträge auf das vorläufige Durchschnittsentgelt in Tsd..
7 Äquivalenzrentner dividiert durch Äquivalenzbeitragszahler.

© Portal Sozialpolitik 2021

Diese Entwicklung beruht hauptsächlich auf einem rechnerischen Effekt: Die Anzahl der Äquivalenzbeitragszahler 2020 wird ermittelt, indem das Beitragsvolumen 2020 durch die auf das vorläufige Durchschnittsentgelt 2020 entfallenden Rentenbeiträge geteilt wird. Das vorläufige Durchschnittsentgelt 2020 wiederum wird ermittelt, indem das endgültige Durchschnittsentgelt 2018 mit der doppelten Lohnzuwachsrate 2018 (2 x 3,06% = 6,12%) vervielfältigt wird. Damit liegt das vorläufige Durchschnittsentgelt 2020 mit 40.551 Euro um 4,24 Prozent höher als der entsprechende Wert für 2019 (38.901 €); gleichzeitig ist das Beitragsvolumen um lediglich 1,37 Prozent gestiegen. Der angenommene Lohnzuwachs 2020 wurde infolge der Corona-Pandemie deutlich unterschritten. Im Ergebnis wird die Anzahl der Äquivalenzbeitragszahler deshalb zu gering ausgewiesen und der Rentnerquotient 2020 wird zu hoch veranschlagt.

Die Veränderung des Rentnerquotienten ist im Rahmen des Nachhaltigkeitsfaktors über den Parameter Alpha (0,25) zu einem Viertel anpassungsrelevant. Der Parameter Alpha ist die politische Stellschraube für die Höhe des Nachhaltigkeitsfaktors. Die seinerzeitige Festlegung auf einen Wert von 0,25 war willkürlich und alleine dem politisch vorgegebenen Ziel geschuldet, den Beitragssatzanstieg zur allgemeinen Rentenversicherung bis 2020 auf 20 Prozent und bis 2030 auf 22 Prozent zu begrenzen. Sobald dieses Ziel gefährdet ist, kann der Gesetzgeber den Parameter jederzeit erhöhen und damit die Anpassungssätze für die Zukunft noch »nachhaltiger« beeinflussen.

Für die Anpassung 2021 ergibt sich aufgrund des gestiegenen Rentnerquotienten ein Nachhaltigkeitsfaktor von:

Damit wirkt der Nachhaltigkeitsfaktor im Rahmen der Rentenanpassung 2021 in einem Umfang von -0,92 Prozentpunkten anpassungsdämpfend.

Aktueller Rentenwert 2021

Der neue AR ergibt sich aus der Multiplikation des Entgeltfaktors, des »Riester-Faktors« und des Nachhaltigkeitsfaktors (= Anpassungsfaktor) mit dem bisherigen AR:

AR2021 = 34,19 € x 0,9766 x 1,0000 x 0,9908
= 34,19 € x 0,9676
= 33,08 €.

Der Anpassungsfaktor beträgt somit 0,9676; hieraus resultiert eine Senkung des AR um 3,25 Prozent von 34,19 Euro auf 33,08 Euro. Aufgrund der allgemeinen Schutzklausel (»Rentengarantie«) darf der AR jedoch nicht sinken. Daher beläuft sich der AR ab 1. Juli 2021 unverändert auf

AR2021 = 34,19 €.

Sicherungsniveau vor Steuern im Jahr 2021

In den Jahren 2019 bis 2025 ist abschließend noch zu prüfen, ob mit dem ermittelten AR das Sicherungsniveau vor Steuern (SvS, § 154 Absatz 3a SGB VI) des Anpassungsjahres womöglich die Höhe von 48 Prozent unterschreitet. Sollte dies der Fall sein, ist der AR nach § 255e SGB VI so anzuheben, dass das SvS mindestens 48 Prozent beträgt (Niveau-Haltelinie). Ein Ausgleichsbedarf für aufgrund der allgemeinen Schutzklausel unterbliebene Anpassungsdämpfungen (nicht realisierte nominale Rentenkürzungen) ist bis zum 30. Juni 2026 nicht zu ermitteln (RV-LVuStabG RV-LVuStabG). Damit wird gewährleistet, dass die Niveau-Haltelinie nicht nachträglich – durch spätere Verrechnung mit einem evtl. zwischenzeitlich aufgelaufenen Ausgleichsbedarf – wieder »einkassiert« wird.

Das Sicherungsniveau vor Steuern (SvS) des Kalenderjahres ist der Verhältniswert aus der verfügbaren Standardrente (vStR) und dem verfügbaren Durchschnittsentgelt (vDE):

Standardrente (StR) ist die Regelaltersrente aus der allgemeinen Rentenversicherung mit 45 persönlichen Entgeltpunkten (pEP), die sich unter Zugrundelegung des ab dem 1. Juli des betreffenden Kalenderjahres geltenden AR für zwölf Monate berechnet (Neue Berechnung des Rentenniveaus Neue Berechnung des Rentenniveaus).

StRt = ARt x 45 x 12

StR2021 = 34,19 € * 45 * 12 = 18.462,60 €.

Die verfügbare Standardrente (vStR) ergibt sich, indem die Standardrente um den von den Rentnerinnen und Rentnern zu tragenden Anteil am allgemeinen Beitragssatz zur Krankenversicherung (aKVR) sowie am durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz (dzKVR) zur Krankenversicherung und um den Beitragssatz zur sozialen Pflegeversicherung ohne Beitragszuschlag für Kinderlose (sPVR) gemindert wird.

vStRt = StRt x [1 - (aKVRt + dzKVRt + sPVRt)]

vStR2021 = 18.462,60 € x [1 – (0,073 + 0,0065 + 0,0305)]

vStR2021 = 18.462,60 € x 0,891 = 16.431,71 €.

Die verfügbare Standardrente 2021 beträgt demnach 16.431,71 Euro. Gegenüber 2020 fällt sie wegen des gestiegenen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes zur Krankenversicherung um 0,11 Prozent geringer aus.

Das verfügbare Durchschnittsentgelt (vDE) des jeweiligen Kalenderjahres wird ermittelt, indem das verfügbare Durchschnittsentgelt des Vorjahres (2020: 34.120,64 €) mit dem Entgeltfaktor der Anpassungsformel (vgl. oben) und der Veränderung der Nettoquote des Arbeitsentgelts (NQA) im jeweiligen Kalenderjahr gegenüber dem Vorjahr vervielfältigt wird.

vDEVO = verfügbares Durchschnittsentgelt lt. Rentenwertbestimmungsverordnung, BEVGR = Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer lt. VGR, bBEDRV = beitragspflichtige Bruttolohn- und -gehaltssumme je durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmer lt. Versichertenstatistik der DRV Bund, NQA = Nettoquote des Arbeitsentgelts
VGRt bzw. DRVt meint den Datenstand zum Zeitpunkt der Neuberechnung
VGRt-1 bzw DRVt-1 meint die Daten aus der Rentenwertbestimmungsverordnung des Vorjahres

Die Nettoquote des Arbeitsentgelts wird ermittelt, indem vom Wert 100 Prozent der vom Arbeitnehmer zu tragende Anteil des Gesamtsozialversicherungsbeitragssatzes (§ 163 Abs. 10 SGB VI) des betreffenden Kalenderjahres abgezogen wird. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz (GSV) ergibt sich aus der Summe der zum 1. Januar des Kalenderjahres geltenden Beitragssätze in der allgemeinen Rentenversicherung (aRV), in der gesetzlichen Pflegeversicherung (sPV) sowie zur Arbeitsförderung (BA) und des um den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz (dzKV) erhöhten allgemeinen Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung (aKV); seit 2019 wird der GSV paritätisch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert (zuvor war der Zusatzbeitragssatz der KV alleine vom Arbeitnehmer zu finanzieren).

NQAt = = 100% - (aRVAt + BAAt + aKVAt + dzKVAt + sPVAt)

NQA2020 = 100% - (9,3 + 1,2 + 7,3 + 0,55 + 1,525)

= 80,125%

NQA2021 = 100% - (9,3 + 1,2 + 7,3 + 0,65 + 1,525)

= 80,025%.

Gegenüber 2020 ergibt sich eine Senkung der Nettoquote des Arbeitsentgelts (= Anstieg der Beitragsbelastung) in 2021 um 0,12 Prozent (1 - 80,025 / 80,125 = 1,0012). Die Veränderung der Nettoquote beträgt

80,025% / 80,125% = 0,9988.

Daraus resultiert ein verfügbares Durchschnittsentgelt 2021 in Höhe von:

vDE2021 = 34.120,64 € x 0,9766 x 0,9988

= 33.282,23 €.

Trotz »Nullrunde« steigt das Sicherungsniveau vor Steuern damit im Jahr 2021 auf 49,37 Prozent:

Die Niveau-Haltelinie von 48 Prozent wird damit nicht unterschritten.

Gegenüber dem Vorjahr (48,2%) fällt das SvS um 1,2 Prozentpunkte höher aus – obwohl die verfügbare Standardrente um 0,11 Prozent niedriger liegt als 2020. Dieser Anstieg ist hauptsächlich zurückzuführen auf die Revision der statistischen Abgrenzung der beitragspflichtigen Entgelte durch die DRV Bund – und auf das Nicht-Handeln des Gesetzgebers, dem ein deutlich höher ausgewiesenes Rentenniveau augenscheinlich sehr gelegen kommt.

Rückblick: Anlässlich der  VGR-Revision 2019 wurde die Formel zur Ermittlung des Entgeltfaktors für die Rentenanpassung 2020 noch rechtzeitig geändert. So wurde vermieden, dass ein revidierter VGR-Wert (BE2019) zu einem nicht revidierten VGR-Wert aus der Vorjahresverordnung (BE2018) ins Verhältnis gesetzt werden musste. Ohne Eingriff des Gesetzgebers wäre die Höhe der Rentenanpassung 2020 rechnerisch »aufgebläht« worden – und die des Folgejahres (2021) wäre spiegelbildlich geringer ausgefallen (Jo-Jo-Effekt). Aus damaliger Sicht wurde durch den gesetzgeberischen Eingriff auf mittlere Frist lediglich ein vielleicht ärgerliches aber doch weitgehend folgenloses Nullsummenspiel vermieden. Im Nachhinein (Corona-Krise) erweist sich die Änderung der Formel jedoch als höchst finanzwirksam: Auf Basis der bis dahin geltenden Regel zur Bestimmung des Entgeltfaktors hätte der für die Anpassung 2020 relevante Lohnzuwachs mit 5,27 Prozent statt mit 3,28 Prozent angesetzt werden müssen und die Rentenanpassung wäre ebenfalls um zwei Prozentpunkte höher ausgefallen (5,45% statt 3,45%). Heute weiß man: Aufgrund der Nullrunde 2021 wäre der spiegelbildliche Ausschlag nach unten um zwei Prozentpunkte ins Leere gelaufen. Da ein Ausgleichsbedarf bis zum 30. Juni 2026 nicht zu ermitteln ist, wäre die Anpassungsdifferenz von zwei Prozentpunkten voll und dauerhaft bei den Ausgaben zu Buche geschlagen.

Rentenniveaus

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Ein vergleichbarer Eingriff des Gesetzgebers im Zusammenhang mit der Revision der Versichertenstatistik der DRV Bund fand für die Rentenanpassung 2021 – augenscheinlich wohlkalkuliert – nicht statt. Die Veränderung der Versichertenentgelte wird daher aus dem Verhältnis eines revidierten Wertes (bBE2019) zu einem nicht revidierten Wert aus der Vorjahresverordnung (bBE2018) ermittelt. Im Ergebnis fällt der Anstieg der beitragspflichtigen Entgelte in 2019 deutlich geringer aus. Dies senkt den Entgeltfaktor der Anpassungsformel zusätzlich – und damit auch das verfügbare Durchschnittsentgelt (vDE2021), also den Wert, der in den Nenner der Formel zur Bestimmung des Rentenniveaus eingeht. Anders als bei einer Revision der VGR-Entgelte, deren rechnerische Folgen über die (alte) Formel zur Bestimmung des Entgeltfaktors bei der nächsten Anpassung grundsätzlich wieder neutralisiert wurde, ist ein solcher »Rückholmechanismus« bei einer Revision der beitragspflichtigen Entgelte in der Formel nicht angelegt. Die rechnerische Verzerrung bei der Anpassung 2021 wirkt also dauerhaft. Ausgewiesen wird ein Sicherungsniveau vor Steuern von 49,4 Prozent; unter Ausschaltung des Revisionseffekts bei den beitragspflichtigen Entgelten beträgt das Niveau lediglich 48,3 Prozent. Als Maßstab für die (Entwicklung der) Leistungsfähigkeit der allgemeinen Rentenversicherung ist das amtlich referenzierte Sicherungsniveau vor Steuern damit endgültig unbrauchbar geworden. Methodisch entspricht das festgestellte SvS 2021 nicht dem Rentenniveau, für das der Gesetzgeber im Jahr 2018 eine untere Haltelinie von 48 Prozent festgelegt hat. Zudem ist nunmehr ein Vergleich der SvS-Werte vor 2021 mit denen ab 2021 methodisch wie politisch höchst unseriös.


Rentenniveaus 2018 bis 2021
Werte 2018 2019 2020 2021
Beträge in Euro
1. BStR Juli 1.441,35 1.487,25 1.538,55 1.538,55
2. NStR Juli 1.284,96 1.326,63 1.370,85 1.369,31
3. BStR KJ 17.026,20 17.571,60 18.154,80 18.462,60
4. NStR KJ 15.178,86 15.673,87 16.175,93 16.431,71
5. BStR Juli x 12 17.296,20 17.847,00 18.462,60 18.462,60
6. NStR Juli x 12 15.419,56 15.919,52 16.450,18 16.431,71
7. BE 1 38.212 39.301 40.551 41.541
8. verfg. BE KJ 1 30.425,95 31.509,61 32.491,49 33.243,19
9. verfg. DE Juli x 12 32.064,00 33.056,86 34.120,64 33.282,23
10. dito nach Revision 2       33.991,09
11. dito vor Revision 3 - - - 34.008,13
Rentenniveaus in Prozent
12. BRN 1, 4
44,6 44,7 44,8 44,4
13. SnSV 1, 5
49,9 49,7 49,8 49,4
14. SvS 6 48,1 48,2 48,2 49,4
15. dito nach Revision 2, 7       48,3
16. dito vor Revision 3, 8 - - - 48,3

1 Am aktuellen Rand vorläufige Werte
2 Lohnfaktor der Anpassungsformel 2021 mit Neuabgrenzung der beitragspflichtigen Entgelte in der DRV-Versichertenstatistik für 2018
3 Lohnfaktor der Anpassungsformel 2021 ohne Neuabgrenzung der beitragspflichtigen Entgelte in der DRV-Versichertenstatistik für 2019
4 Ziff. 3 / Ziff. 7 x 100
5 Ziff. 4 / Ziff. 8 x 100
6 Ziff. 6 / Ziff. 9 x 100
7 Ziff. 6 / Ziff. 10 x 100
8 Ziff. 6 / Ziff. 11 x 100
BStR = Bruttostandardrente, NStR = Nettostandardrente = BStR abzüglich der von den Rentnern zu tragenden Sozialbeiträge (»verfügbare Standardrente«), KJ = Kalenderjahr, BE = Durchschnittsentgelt lt. Anlage 1 zum SGB VI, verfg. DE = verfügbares Durchschnittsentgelt, BRN = Bruttorentenniveau, SnSV = Sicherungsniveau nach Sozialversicherungsbeiträgen, SvS = Sicherungsniveau vor Steuern

Aktueller Rentenwert (Ost) 2021

Der nach § 255a Abs. 1 SGB VI zu bestimmende AR (Ost) muss zum 1. Juli 2021 97,9 Prozent des AR betragen:

AR(O)2021 = 34,19 € x 0,979 = 33,47 €.

Im Rahmen der Vergleichsberechnung (§ 255a Abs. 2 SGB VI) ergibt sich auf Basis der Anpassungsformel und der ostdeutschen Lohnentwicklung (vgl. oben) sowie einem Vergleichswert 2020 in Höhe von 33,13 Euro (Vorjahresverordnung) ein Vergleichswert (VGW) von

VGWt = VGWt-1 x 0,9986 x 1,0000 x 0,9908

VGW2021 = 33,13 € x 0,9986 x 1,0000 x 0,9908

= 33,13 € x 0,9894

= 32,78 €.

Bei der Vergleichsberechnung findet die allgemeine Schutzklausel oder »Rentengarantie« (§ 68a SGB VI) keine Anwendung, so dass der Vergleichswert in (t) den Vergleichswert in (t-1) auch unterschreiten kann. - Der Vergleichswert nach § 255a Abs. 2 SGB VI (32,78 €) übersteigt den nach § 255a Abs. 1 SGB VI berechneten AR (Ost) (33,47 €) nicht. Somit beträgt der festzusetzende aktuelle Rentenwert (Ost) ab 1. Juli 2021 33,47 Euro. Dies entspricht einem Anpassungssatz (Ost) von 0,72 Prozent. – Ab Juli 2021 erreicht der aktuelle Rentenwert (Ost) 97,9 Prozent des aktuellen Rentenwerts.

Unter Ausschaltung des Revisionseffekts bei den beitragspflichtigen Entgelten hätte der Vergleichswert
a) bei Verwendung der revidierten Werte für 2018 und 2019
33,13 € x 1,0176 x 1,0000 x 0,9908 = 33,40 € und
b) bei Verwendung der unrevidierten Werte für 2018 und 2019
33,13 € x 1,0192 x 1,0000 x 0,9908 = 33,46 €
betragen. Ob sich aufgrund der verzerrenden Berechnung des Vergleichswerts 2021 am Ende tatsächlich negative Auswirkungen auf die Entwicklung des AR(O) ergeben, werden die kommenden beiden Jahre zeigen.

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